Initiative „OÖ schnuppert“ - Schnupperplätze für Jugendliche in ganz Oberösterreich

Um Jugendliche beim Finden eines Schnupperplatzes zu unterstützen haben die WKO OÖ, die AK OÖ, das AMS OÖ, das Wirtschaftsressort des Landes OÖ, die Bildungsdirektion OÖ und der Landesverband der OÖ Elternvereine gemeinsam die Initiative „OÖ schnuppert“ gestartet. Ziel ist es, Jugendliche und Unternehmen zusammenzubringen und Möglichkeiten zu einem erfolgreichen Start ins Berufsleben zu eröffnen.

Über die digitale Plattform www.ooe-schnuppert.at stehen über 1600 Schnupperplätze für zur Verfügung. Die Datenbank wird laufend erweitert. Gesucht werden kann nach Interessen, Lehrberufen oder im Umkreis des Wohnorts.

Auf der Homepage www.ooe-schnuppert.at sind auch Tipps und Informationen über aktuelle Bestimmungen zu finden und es wird ein Überblick über Angebote und Hilfestellungen in Form von Kurzinfos und weiterführenden Verlinkungen für Jugendliche, Eltern und Schulen geboten.

resp@ct for yougend

resp@ct ist ein niederschwelliges Angebot, das Jugendliche dabei unterstützt schulische und berufliche Perspektiven zu entwickeln. resp@ct lädt dazu ein  neue Leute kennenzulernen, sich zu unterhalten und Spaß zu haben.

Jugendliche und junge Erwachsene können während den Öffnungszeiten vorbei kommen, sich mit den Mitarbeiter.innen des Projekts austauschen und ihre Fähigkeiten in unterschiedlichen Bereichen entfalten.

resp@ct bietet folgende Aktivitäten und Beschäftigungsmöglichkeiten an:

  • art f@ctory – kreatives Gestalten und werken, musizieren, ….
  • cre@te & taste – gemeinsam kochen und essen
  • mind sp@ce – denken,  lernen, verschiedene Workshops
  • n@ture & action – garteln, sporteln und bewegen, Ausflüge,..
  • resp@ct band – Liedtexte selber schreiben, Beats bauen, gemeinsam musizieren, Musikvideos aufnehmen
  • Mädchen@treff – gemeinsam Kochen, quatschen und / oder über interessante Themen diskutieren, neue Mädchen kennenlernen,….

resp@ct ist ein Angebot der pro mente Jugend in Linz und Linz-Land und richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 24 Jahren, die weder in Arbeit, Ausbildung, Schulung noch in einem Beschäftigungsverhältnis sind.

Im Video berichten Mitarbeiter.innen, Jugendliche und Vernetzungspartner.innen über das Projekt und was es so besonders macht.

Jugendliche stellen NEBA Angebote vor

Am Übergang von der Pflichtschule in den Beruf stehen die Jugendlichen oft vor großen Herausforderungen und suchen Orientierung. Das Sozialministeriumservice (SMS) bietet mit dem Netzwerk Berufliche Assistenz (NEBA) verschiedene Unterstützungsangebote an.

Das Angebot AusbildungsFit (AFit) bietet jungen Menschen Begleitung und Unterstützung auf dem Weg zu einer Berufsausbildung. Sie arbeiten gemeinsam an ihren persönlichen Zielen und finden eine passende Ausbildung. Das Projekt AFit go4job Schärding hat Anfang September 2020 ein Video veröffentlicht, um über das Angebot zu berichten. Der Film entstand in Zusammenarbeit mit den teilnehmenden Jugendlichen im Rahmen des Neue Medien Trainings. Die Teilnehmer.innen und ihre Trainerin sprechen über ihre Ziele, ihren Erfahrungen und vor allem darüber, warum es Spaß macht das Projekt zu besuchen. Die, der Zuschauer.in erfährt von den Jugendlichen, wie sie im Alltag Basisqualifikationen und Social Skills erwerben, Ausbildungsmöglichkeiten kennenlernen und ihre Fähigkeiten und Kompetenzen trainieren.

Die Jugendarbeitsassistenz (JAASS) unterstützt ausgrenzungsgefährdete Jugendliche und junge Menschen mit Behinderungen eine Lehr- oder Arbeitsstelle zu finden und bei Problemen am Arbeitsplatz. Die Jugendarbeitsassistenz der Volkshilfe OÖ hat Ende Oktober 2020 einen Imagefilm über das Angebot veröffentlicht. Was die JAASS ausmacht, erfährt man auch aus Sicht der Teilnehmer.innen durch ein Videoprojekt aus dem Jahr 2015. Jugendliche zeigen in diesem Video, wie die JAASS sie bei der Lehrstellensuche unterstützt. Der Kurzfilm von Jugendlichen für Jugendliche zeigt Szenen aus individuellen Beratungsgesprächen, aber auch wie wichtig der Austausch mit Gleichaltrigen und Erfahrungen in der Gruppe sind.

Das Jugendcoaching im Radiointerview

Radio Fro strahlte Mitte Juli 2020 eine spannende und empfehlenswerte Sendung über das Leben und Perspektiven von Strafgefangenen aus.

Im FROzine sprachen Doris Bammer (Jugendcoach, Justizanstalt Linz/Asten) und Florian Baumgartner (Seelsorger, Justizanstalt Suben) über ihre Arbeit, über das Leben „hinter Gittern“ sowie den Umgang mit inhaftierten und haftentlassenen (jungen) Menschen.

Die Diskussion ging den Fragen nach…
…was Jugendcoaching in der Justizanstalt anbieten kann?
…was Jugendliche und  junge Menschen in der Justizanstalt beschäftigt?
…wie das Jugendcoaching junge Menschen auf die Haftentlassung und die Zeit danach vorbereitet?
…was es für die (berufliche) Zukunft bedeutet, eingesperrt zu sein?
…worin im Gefängnisalltag die Probleme liegen und wie die Gesellschaft (und der Arbeitsmarkt) mit Haftentlassenen umgeht?

Am Ende des Gesprächs erfahren wir aus Perspektive der beiden Interviewten, welche Herausforderungen haftentlassene Menschen meistern müssen und welche Ressourcen, Ansätze, Projekte und Möglichkeiten eine Besserung erzielen könnten.

Die Sendung „FROzine: Helfen oder Strafen – was sollte die moderne Gesellschaft über das Leben hinter Gittern wissen?“  kann auch auf DorfTv nachgehört und gesehen werden: https://dorftv.at/video/33780  

Verlieren wir durch die Corona-Krise die Zielgruppe der AusBildung bis 18?

In der derzeitigen Krisensituation zeigt sich, dass Ausbildung bzw. Lehre und Schule nicht nur die Funktion der Wissensvermittlung und deren Überprüfung, sondern auch eine psychosoziale Aufgabe für die Gemeinschaftserfahrung haben. Junge Kinder und Jugendliche aus sozio-ökonomisch schwierigen Verhältnissen treffen die Einschränkungen zur Reduktion der Ausbreitung des COVID-19 am stärksten. Bei sozio-ökonomisch benachteiligten Familien sind häufig beengte Wohnverhältnisse vorzufinden, d. h. es gibt wenig Rückzugsmöglichkeit für die Familienmitglieder. Zudem gibt es oft wenig Unterstützung seitens der Eltern, diese sind mit der Bewältigung der eigenen Probleme beschäftigt (Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit, …).

Bildungsexpert.innen sprechen davon, dass die Leistung nachzuholen nichts bringt, es ginge vor allem darum, Druck weg zu nehmen (Stefan Hopmann im Standard 18.05.2020). Kritik wird auch am E-learning geübt: Soziale und ökonomische Unterschiede werden damit zugespitzt. 

Eine online-Umfrage an der Fakultät für Psychologie der Universität Wien zur Frage „Wie erleben Kinder und Jugendliche die Isolation in der Familie?“ (berichtet im Standard vom 18.05.2020) zeigt ganz klar, dass Schule und betriebliche Ausbildung eine wichtige Alltagsstrukturierung geben. Eltern geben an, dass den Kindern der geregelte Tagesablauf fehlt. Kinder und Jugendliche sorgen sich  um die Gesundheit der Familienangehörigen, die eigene Gesundheit. Zudem klagen die Kinder und Jugendlichen über Langeweile und Einsamkeit, Müdigkeit und Erschöpfung. Insbesondere stellen der Verlust an Tagesstruktur, physischen Sozialkontakten und des gewohnten Umfeldes eine große Belastung dar. Diese Kinder und Jugendlichen müssten jetzt besonders achtsam und duldsam begleitet werden. Die Isolationszeit muss im gegenseitigen Austausch über die Erfahrungen mit der Corona-Situation auch Thema bleiben.

Der Germanist Hannes Schweiger (im Standard vom 08.05.2020) spricht davon, dass bereits vorhandene Bildungsbenachteiligungen durch die aktuelle Situation verstärkt werden. Kinder und Jugendliche, die auf der Strecke bleiben, sind vor allem jene in Deutschförderklassen. Diese werden nämlich im Sommer trotz der coronabedingten Ausnahmesituation auf ihre Deutschkenntnisse getestet und müssen bei mangelhafter Leistung im Herbst die Klasse wiederholen. Herbert Altrichter (School of Education, Universität Linz) kritisiert am Wiederstart des Schulbereichs die Fixierung auf Prüfungen. Das Bildungsnetzwerk „Teach for Austria“ berichtet davon, dass im März bereits zu 20 Prozent der Kinder der Kontakt verloren wurde (Standard, 25.04.2020) und  die Bildungsschere noch weiter auseinandergehen wird.

Laut Standard vom 19.05.2020 stehen aktuell den 4.000 offenen Lehrstellen 8.000 Lehrstellensuchende gegenüber. Nach einer Studie von Johann Bacher (Institut für Soziologie, Universität Linz) sind 7.500 Lehrstellen in Gefahr, in den Oberösterreichischen Nachrichten wird geschrieben, dass 10.000 Lehrstellen gefährdet sind. Das heißt, die Arbeitslosenzahl der Jugendlichen zwischen 15 und 24 Jahren wird unweigerlich steigen. Das AMS berichtet von einem Einbruch am Lehrstellenmarkt von knapp drei Viertel. Besonders betroffen sind die Tourismusbranche und die Gastronomie. Selbst in Branchen die vormals intensiv Lehrlinge rekrutiert haben, sind die offenen Stellen stark rückläufig, z. B. Metall- und Elektroberufe um rund 26 Prozent.
Die Branchen Handel und Verkehr suchen weiterhin Lehrlinge.

Johann Bacher und Dennis Tamesberger sehen folgende Ansatzpunkte als Rettungspakete für junge Menschen (awblog 24.04.2020):

  • Fortsetzung und Ausbau von Coaching- und Unterstützungsstrukturen
  • Bessere finanzielle Absicherung von Studierenden (Stipendien)
  • Erhöhung des Arbeitslosengeldes
  • Keine Kürzungen der Ausbildungshilfe in der überbetrieblichen Lehrausbildung und in ausbildungsvorbereitenden Maßnahmen
  • Ausweitung von niederschwelligen Ausbildungs- und Beschäftigungsformen
  • Ausbau von qualitativer Betreuung/Beratung/Therapie von spezifischen Zielgruppen
  • Ausbau einer sozialraumorientierten Jugendarbeit
  • Unterstützung bei technischer Ausstattung und der digitalen Kompetenzen von ausgrenzungsgefährdeten Jugendlichen
  • Jobgarantie für alle jungen Erwachsenen (19 ­– 24 Jahre)

In Summe ist festzuhalten: Junge Menschen sind besonders von den Restriktionen der Bundesregierung zur Eindämmung des Corona-Virus betroffen.
Es wird eine Verknappung des Angebots an offenen Lehrstellen geben und Jugendliche werden häufiger von einem Verlust der Lehrstelle betroffen sein. Längerfristige Arbeitslosigkeit führen im späteren Leben zu einer geringeren Lebens- und Arbeitszufriedenheit, zu einem schlechteren Gesundheitszustand, geringeren Einkommenschancen und zu erhöhtem Arbeitslosigkeitsrisiko. Besonders in der Jugendphase spielen Erwerbstätigkeit und (Aus-)Bildung eine wesentliche Rolle für die Sozialisation und die Identitätsfindung. Diese Sozialräume waren für zwei Monate überhaupt nicht zugänglich, jetzt nur im eingeschränkten Ausmaß und mit strengen Regeln versehen.

Auf Sicht sind die Auswirkungen auf die Erfüllung der Ausbildungspflicht offen. Die Erfahrung der Koordinierungsstelle AusBildung bis 18 zeigt, dass bereits jetzt viele Jugendliche aufgrund der aktuellen Situation Befürchtungen haben, keine Lehrstelle zu finden bzw. die Lehrstelle zu halten.

Zum Nachlesen bzw. verwendete Quellen:

https://www.derstandard.at/story/2000117514289/viel-leere-am-lehrstellenmarkt
https://www.nachrichten.at/wirtschaft/wirtschaftsraumooe/in-oesterreich-sind-10000-lehrstellen-gefaehrdet;art467,3258842
https://www.derstandard.at/story/2000117543651/wenn-der-natuerliche-taktgeber-schule-wegfaellt?
https://www.derstandard.at/story/2000117376319/kinder-die-auf-der-strecke-bleiben
https://www.derstandard.at/story/2000117104048/schueler-aus-benachteiligten-familien-offline-und-abgehaengt
https://awblog.at/215-500-kinder-in-beengten-wohnungsverhaeltnissen/
https://awblog.at/corona-gefahr-verlorene-generation/